Schon oft wurde die Umgestaltung der wichtigsten Brigittenauer Geschäftsstraße angekündigt. Nun liegen alle Pläne auf Eis.
Text: Naz Küçüktekin, Fotos: Christopher Mavrić

Es gibt praktisch kein Grün und der Verkehr ist für alle Teilnehmer:innen alles andere als optimal. Besonders wenig Platz gibt es für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. All das ist über die Wallensteinstraße, die wichtigste Geschäftsstraße der Brigittenau, seit Jahren bekannt. Seit Jahren gibt es auch den Plan, sie umzugestalten. Mehrmals angekündigt, mehrmals wieder verworfen, Bürger:innen befragt, die Ergebnisse zunächst unter Verschluss gehalten und erst nach Druck veröffentlicht (wir berichteten), schien es zuletzt aber endlich so weit zu sein.
Erst Erhebung, dann Befragung
Im Interview mit der Bezirkszeitung sagte Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ) Anfang Jänner noch, es werde auf jeden Fall daran gearbeitet. Es würden Erhebungen gemacht, als Grundlage für Pläne. Wenn Vorentwürfe da seien, werde man damit an die Bevölkerung herantreten. Ob das ein Projekt für 2026 sei? „Schön wäre es“, sagte Dubravac-Widholm, aber es sei schwer zu sagen.
Zwischenbrücken fragte nun nach: Wie werden diese Erhebungen gemacht? Welchen Zeitplan gibt es? Will man vielleicht doch noch dieses Jahr die Bevölkerung befragen?
Die Antwort der Bezirksvorsteherin war überraschend. Denn nun stellt sich heraus: Weder 2026 noch in den Jahren danach ist mit dem Umbau der Wallensteinstraße zu rechnen .

Dubravac-Widholm teilte Zwischenbrücken mit, sie habe im Zuge der Beantwortung einer Bürgerinnenanfrage erfahren, „dass derzeit diesbezüglich keine Erhebungen stattfinden und daher auch keine Planungen durchgeführt werden“. Die Bürgeranfrage hatte Bezirksrat Stefan Ohrhallinger von LINKS Brigittenau gestellt. Er wollte mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes von der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung) Informationen zum Radweg Wallensteinstraße bekommen.
Stadt gegen Bezirk
Zum Zeitpunkt des Interviews mit der Bezirkszeitung sei ihr dieser Umstand nicht bekannt gewesen, erklärt Bezirksvorsteherin Dubravac-Widholm. Als Grund für die abermalige Verzögerung nennt sie „budgetäre Einschränkungen“. Also hatte die Stadt erst Erhebungen und Pläne in Aussicht gestellt, sich dann aber umentschieden. Dem Bezirk wurde das offenbar nicht mitgeteilt. Stadt gegen Bezirk also. Wobei erstere am deutlich längeren Ast sitzt.
Eine ganz ähnliche Erfahrung machte in letzter Zeit auch die Bezirksvertretung der benachbarten Leopoldstadt. Dort hatten sich alle Parteien für einen Mistplatz am alten Standort Dresdner Straße ausgesprochen. Die Stadtregierung ignorierte den Wunsch und wird nun einen deutlich größeren Mistplatz an der Freien Mitte bauen (wir berichteten). Auf die Frage, wieso der Bezirk übergangen werde, kam bei einer Informationsveranstaltung vom leitenden Beamten die lapidare Antwort: „Ober sticht Unter”.
Ulli Simas Begrünungsoffensive
Projekte von der Größenordnung eines Mistplatzes oder auch des Umbaus der Wallensteinstraße könnten die Bezirke niemals aus dem eigenen Budget stemmen. Sie müssen von der Stadt mitgetragen werden.
Stadtentwicklung und Mobilität fallen in die Zuständigkeit von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Sie zeigte sich vergangenes Jahr noch prominent bei Projekten wie der Landstraße. Die Straße im 3. Bezirk wird im Rahmen der Radwege- und Begrünungsoffensive der Stadt Wien umgestaltet. Sima betonte damals noch die Bedeutung solcher Projekte. Klar ist auch, dass sich in den vergangenen Monaten angesichts des Budgetdefizits der Stadt einiges verändert hat. Die Stadt fährt einen Sparkurs, Budgets sind knapp, Projekte werden priorisiert. Doch nannte die Politik die Wallensteinstraße über Jahre hinweg immer wieder als Kandidatin für eine Umgestaltung.
Kein Auftrag, keine Planung
Nun scheint es jedoch so, als wäre der Umbau komplett vom Tisch .
„Betreffend der Wallensteinstraße können wir Ihnen mitteilen, dass es weder einen Auftrag noch ein Projekt Wallensteinstraße gibt, das der MA 28 vorliegt. Ohne Auftrag kein Verfahren, ohne Verfahren keine Planung“, antwortet die Abteilung Straßenbau und Straßenverwaltung auf Anfrage von Zwischenbrücken. Auch das Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima gibt keine weiteren Auskünfte zu möglichen weiter entfernt liegenden Plänen oder Vorhaben.
Damit bleibt die Wallensteinstraße weiterhin grau und unpraktisch für alle Verkehrsteilnehmer.
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Naz Küçüktekin hat journalistische Erfahrungen unter anderem bei Kurier, Profil und Biber gesammelt. Sie lebt in der Brigittenau hat mehrere Preise gewonnen, unter anderem den Wiener Journalismus-Gesundheitspreis.






