Auf dem Karmelitermarkt bieten drei Brüder aus dem Punjab seit kurzem klassisches indisches Streetfood an.
Text: Bernhard Odehnal, Fotos: Christopher Mavrič

„Wir haben uns gedacht: Der zweite Bezirk verdient eine kulinarische Reise nach Indien“, erklärt Harvir Singh, wie alles begann. „Und dann dachten wir: Wer könnte das besser machen als wir?“ Mit „Wir“ meint der 39-jährige sich und seine zwei Geschwister. Gemeinsam sind sie die „Naan Brüder.“ Ihr Foodtruck steht seit ein paar Wochen von Montag bis Freitag am Karmelitermarkt.
„Streetfood mit Schmäh”
Warum gerade hier? Der Karmelitermarkt sei durch Kulinarik aus aller Welt geprägt, antwortet Singh, „nur indisch hat noch gefehlt“. Deshalb servieren sie nun „indisches Streetfood mit Schmäh“.
Die Familie Singh stammt aus dem Punjab im Norden Indiens. Der Vater kam als erster nach Österreich, machte hier ein indisches Restaurant auf. Anfang der 1990er Jahre holte er die Familie nach. Harvir war damals 4 Jahre alt. Er schloss hier die Schule ab, wurde Business Developer in einem internationalen Unternehmen. In die Fußstapfen des Vaters wollte er eigentlich nicht treten.
Schließlich zog es ihn aber doch in die Gastronomie. Im Sommer 2025 kündigte er seinen Job und gründete mit seinen zwei Brüdern die „Naan Brüder“. Erst servierten sie indisches Street Food aus einem Zelt heraus, dann kauften sie den Foodtruck.
Samosas und Chilli Chicken
Links und rechts vom silbernen Anhänger wehen zwei Werbefahnen mit dem Firmenlogo – den Gesichtern der drei Brüder. Dass sie zu dritt im Wagen stehen, komme allerdings sehr selten vor, sagt Harvir. An diesem Tag verkauft er gemeinsam mit der Mitarbeiterin Susanne Borbely das indische Fladenbrot Naan, knusprige Samosas, das würzige Chili Chicken oder das cremige Butter Chicken.
Borbely, die früher in einem Hospiz Sterbende begleitete, arbeitet seit Sommer bei den Naan Brüdern und sagt von sich, dass sie seitdem „der glücklichste Mensch“ sei. Die Brüder seien ein tolles Team, „jeder von ihnen ist besonders und charakterstark“.

Harvir Singh erklärt, was die Menschen aus dem Punjab auszeichnet: „Sie gelten als ehrlich und harte Arbeiter“. Dann zeigt er ein Foto von sich, vor drei Jahren aufgenommen: Es zeigt einen sehr gut aussehenden jungen Mann, glattrasiert und mit kurzem Haaren.
Heute trägt Harvir einen langen Vollbart und Turban – das zentrale Symbol des Glaubens und der Identität der Sikhs. Das Haar darunter schneidet er nicht mehr. Vor drei Jahren, erzählt er, habe er sich der Sikh-Religion zugewandt: „Ich habe meine Wurzeln entdeckt.“
Kochen wie zuhause
Das merkt man auch bei den Speisen, die von den Naan-Brüdern angeboten werden. Alle Rezepte kommen aus dem Punjab: „Wir kochen so, wie wir es auch zuhause machen und wie wir es von Mama und Papa kennen“, sagt Singh.
Derzeit ist der Foodtruck am Karmelitermarkt ihr einziger Verkaufsstand. Doch wenn es gut läuft, möchten die Naan Brüder ein stationäres Geschäft eröffnen und ihr Foodkonzept über Franchising in der ganzen Stadt verbreiten: „Naan in der Hand, Curry im Herzen & Schmäh auf der Zunge.“
Naan Brüder: Karmelitermarkt, Mo bis Fr. 11 – 18 Uhr
Webseite: https://www.naanbrueder.at
Bernhard Odehnal lernte Journalismus bei der Stadtzeitung „Falter“ und war danach als Korrespondent und Reporter für österreichische und Schweizer Medien tätig. 2025 kehrt er mit der Gründung von „Zwischenbrücken“ in den Lokaljournalismus zurück. Er lebt in der Leopoldstadt.
Christopher Mavrič arbeitet als Fotograf für den „Falter“ und viele andere Medien. Sein Fotoband „Zwischen Brücken“ mit Porträts und Ansichten der Brigittenau erschien 2020 in der FOTOHOF-Edition. Er ist Lehrbeauftragter für analoge Fotografie an der Fotoakademie Graz.




