US-Milliardär Ronald Lauder gründete eine Schule in der Leopoldstadt, die seinen Namen trägt. Jetzt will er Grönland zum „Teil der amerikanischen Familie“ machen.
Text: Bernhard Odehnal

In Wien ist er bekannt als Philanthrop und vehementer Kämpfer gegen jede Form des Antisemitismus. Der amerikanische Milliardär Ronald S. Lauder war US-Botschafter in Österreich, in den 1980er Jahren, als die Waldheim-Affäre weltweit Schlagzeilen machte. Später engagierte sich Lauder vor allem in der Jugendbildung.
Schulcampus im Augarten
Lauders Stiftung gründete und finanzierte den „Lauder-Chabad-Campus“ im Augarten, der heute den gesamten Bildungsweg für orthodoxe Jüdinnen und Juden anbietet, vom Kindergarten bis zu einer Handelsschule und einem Oberstufenrealgymnasium. Hinzu kam eine Business School im 19. Bezirk, die ebenfalls Lauders Namen trägt.
Was hingegen in Österreich bisher kaum bekannt ist: Ronald Lauder gehört zu den treibenden Kräften in der US-Politik, die eine amerikanische Übernahme Grönlands fordern. Mehr noch: Lauder soll Donald Trump bereits in dessen erster Amtszeit nahegelegt haben, die Kontrolle über Grönland in den Mittelpunkt seiner Außenpolitik zu stellen. So erinnert sich Trumps damaliger Sicherheitsberater John Bolton in dem Buch „The Divider: Trump in the White House 2017 – 2021“ (New York 2022).
„Wir sollten uns Grönland holen“
Trump soll damals Lauder als einen „guten Freund und sehr, sehr erfolgreichen Businessman“ bezeichnet haben, der „meint, wir sollten uns Grönland holen“ – so wird Bolton hier zitiert. Die Aussage wurde nach Erscheinen des Buchs in allen größeren US-Medien wiederholt. Widersprochen wurde ihr nie. Trump reklamierte die Grönland-Idee allerdings später für sich.

Der heute 81-jährige Lauder ist der Erbe des Kosmetikkonzerns „Estée Lauder“. Er und der heute 79-jährige Trump kennen einander seit ihrer Studienzeit an der Universität von Pennsylvania. Laut der Zeitung „The Daily Pennsylvanian“ spendete er während Trumps erster Präsidentschaft 200.000 Dollar an die Republikanische Partei und sprach über eine 50 Jahre andauernde Freundschaft mit dem Präsidenten. In einem Statement 2018 schrieb Lauder, er arbeite mit Trump gemeinsam an „einigen der komplexesten diplomatischen Herausforderungen, die man sich vorstellen kann“.
„Amerikas nächste Grenze”
Lauder habe damals aber eher von einem Kauf Grönlands gesprochen, schrieb die New York Times bereits 2022 – nicht von einer militärischen Eroberung. Und die Idee schien in der ersten Amtszeit Trump noch so bizarr, dass sich das Team rund um den Präsidenten bemüht habe, sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen.
Kurz nach Trumps zweiter Amtsübernahme sah Lauder jedoch den richtigen Moment gekommen, und legte persönlich nach. Im Februar 2025 schrieb er für die große Boulevardzeitung „New York Post“ einen Kommentar mit dem Titel: „I’m a Greenland expert – these 3 paths can make it America’s next frontier“. Der selbsternannte Grönland-Experte Lauder beschreibt darin, wie die USA ihre Grenzen in Richtung Grönland ausdehnen könnten.

Trumps Grönland-Konzept sei niemals absurd, sondern strategisch wohlüberlegt gewesen, schreibt Lauder in seinem Meinungsartikel. Es gehe nicht um eine militärische Übernahme der Insel, sondern um „Partnerschaften“: Die USA könnten Grönland helfen, unabhängig zu werden. Im letzten Absatz freilich drückt Lauder die Hoffnung aus, dass Grönland nicht nur Verbündeter, sondern „eines Tages ein Teil der amerikanischen Familie“ werde.
Strategische Investments
Lauder macht in dem Beitrag auch klar, dass er diesen Prozess aktiv unterstützt: Seit Jahren arbeite er eng mit Businessleadern und der Regierung Grönlands zusammen, „um strategische Investments zu entwickeln“.
Das bestätigte im vergangenen Herbst auch eine Recherche der dänischen Tageszeitung „Politiken“. Eine im amerikanischen Offshore-Paradies Delaware gegründete Investmentfirma kaufe Anteile von Firmen in Grönland auf, schreibt Politiken. Und laut Aussage eines der grönländischen Verkäufer stehe hinter der Delaware-Firma Ronald S. Lauder. Man dürfe nicht naiv sein, zitiert die Zeitung Marc Jacobsen, Professor an der Königlich Dänischen Verteidigungsakademie: Dahinter stecke ganz klar „ein strategisches Interesse“ von Lauders Seite.
Warnung vor dem Ende der Nato
Ronald Lauder treibt also mit seiner Grönland-Agenda einen Keil in das amerikanisch-europäische Bündnis. Was laut der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen letztendlich das Ende der Nato und des westlichen Sicherheitssystems bedeuten könnte.
Gleichzeitig hat der Mann jedoch auch eine ganz andere Seite: Seit Jahrzehnten unterstützt Lauder notleidende jüdische Gemeinden, vor allem in Osteuropa. Aber auch im Westen. In Wien gibt es neben dem „Lauder-Chabad-Campus“ in der Leopoldstadt noch den „Ronald S. Lauder Verein zur Förderung der Jugend in Österreich“ sowie die „Lauder Business School“ in Döbling.
Droht ein Imageschaden?
Diese Schulen haben nichts mit Lauders politischen Engagement in den USA zu tun. Aber wissen die Schulleitung und das Personal, welche Rolle ihr Gründer und Namensträger in der aggressiven amerikanischen Außenpolitik spielt? Wenn ja, wird das Thema diskutiert? Und könnte der Name „Lauder“ unter diesen Umständen für die Schulen nicht zum Imageproblem werden?
Zwischenbrücken stellte diese Fragen per Mail dem Geschäftsführer des Campus sowie der Kommunikationsabteilung der Business School. Es kamen keine Antworten. Ebenfalls kontaktiert wurde über seine Stiftung Ronald S. Lauder selbst. Auch hier kam keine Reaktion.
Bernhard Odehnal lernte Journalismus bei der Stadtzeitung „Falter“ und war danach als Korrespondent und Reporter für österreichische und Schweizer Medien tätig. 2025 kehrt er mit der Gründung von „Zwischenbrücken“ in den Lokaljournalismus zurück. Er lebt in der Leopoldstadt.






