Weiße Kacheln und runde Formen: die neuen Toiletten im Augarten sind ein Blickfang im Park. Auf einer Architekturführung erklärt das Planerduo, was es sich dabei dachte.
Text: Isabella Marboe

Der Termin war rasch ausgebucht. Treffpunkt: das Haupttor des Augartens, Beginn: 16 Uhr. Schon eine halbe Stunde früher trudeln die ersten Interessierten ein. Maik Novotny, der Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ögfa), die letzes Jahr ihr 60jähriges Bestehen feierte, steht entspannt in der Sonne und freut sich. Nicht jede Bauvisite der ögfa stößt auf so viel Interesse.
Außergewöhnliche Planung
Neben ihm Architektin Susanne Zottl und ihr Kollege Daniel Kerbler. Sie trägt ihre weißen Haare offen, er seine langen, dunklen zu einem Knoten am Kopf zusammengebunden, sie ein leichtes, cremeweißes Oberteil, er ein breit gestreiftes, buntes Hemd. Die beiden entsprechen nicht unbedingt dem Architektenklischee und auch das, was sie planen, ist oft außergewöhnlich. Wie die WC-Anlagen, die an diesem Freitagnachmittag im Zentrum stehen.
Öffentliche Toiletten sind absolut notwendig. Jeder und jede braucht sie hin und wieder, fast immer betritt man sie mit gewisser Überwindung. Sie dienen der Notdurft und ebenso notdürftig sind sie oft gestaltet. Ihr Niedergang begann mit der weitgehenden Wegrationalisierung der klassischen Klofrau. Seither sind sie meist wartungsfrei, garantiert klinisch aus Nirosta oder notorisch übelriechend, erstere meist kostenpflichtig, zweitere meist gratis, dazwischen gibt es wenig oder nichts. Abgesehen davon gilt: auch ihre Anzahl ist notdürftig, es bräuchte dringend mehr davon.
Funktional und geruchsneutral
Solche öffentlichen Toiletten zu planen, ist alles andere als banal. Denn sie müssen vielen Anforderungen genügen. Langlebig, leicht zu reinigen, widerstandsfähig, robust, barrierefrei zugänglich, hygienisch, funktional und so geruchsneutral wie möglich. Im Fall der Fälle soll man sie gut sehen und leicht finden, in allen anderen Fällen sollen sie nicht störend ins Auge fallen.
Die bisherigen Toiletten im Augarten waren seit den 1970er Jahren in Betrieb, mittlerweile eine Zumutung und definitiv am Ende ihrer Lebensdauer. Wie es sich für Toiletten alter Schule gehört, standen sie dezent versteckt, von etwas übermannshohen Hecken umgeben, im Park.

Für Susanne Zottl und Daniel Kerbler brauchte der prächtige Barockgarten etwas Besonderes. Ausgangspunkt ihres Entwurfs war der typische Formschnitt, mit dem Hecken und Blumenrabatte in geometrische Figuren und die Säume der Baumkronen in den Alleen so zugeschnitten werden, dass sie torartige Bögen bilden. Dadurch sieht man zwischen ihnen hindurch und ergeben sich weite Blickachsen.
Wickeltisch und Waschbecken
Auch die Toilettenhäuschen haben freundliche, weiche Rundungen: Leicht ragt der Bogen ihrer Dachkante über die Hecken, die sie umgeben. Eine feine Referenz an die Alleebäume, der auch die Fassade aus weiß glasierter Keramik folgt. „Vor 250 Jahren wurde der Augarten öffentlich zugänglich gemacht, es ist ein Park der Wienerinnen und Wiener“, sagt Susanne Zottl: „Wir wollten eine Toilette entwerfen, die für alle frei zugänglich ist und sich um einen kleinen Vorplatz erweitert. Es sollte ein angenehmer Ort sein.“ Deshalb sind die insgesamt fünf WCs gebühren- und barrierefrei. In einer Kabine gibt es einen Wickeltisch, in allen ein Waschbecken. Diesen Luxus boten die alten nicht.
Vier Jahre dauerte es vom Planungsauftrag bis zur Fertigstellung, Kosten werden keine genannt, von außerordentlicher Langlebigkeit ist auszugehen. Die Toiletten sind unisex und, auch mit Braille-Schrift beschriftet, seit Mai 2025 in Betrieb. Zwei WCs stehen in einem gemeinsamen Häuschen in der Nähe der Schankwirtschaft, die anderen nahe des Eingangs Klanggasse.
Brunnen und Bank
Ihre Eingänge sind einander zugewandt, zwischen ihnen führt ein leicht geschwungener, breiter, barrierfreier Weg hindurch, der sich auf einer Seite zu einem kleinen Platz mit einer rund geschwungenen Bank aufweitet. Davor steht ein Brunnen. Viele Mütter mit Kindern sitzen hier.
Dass alles so geräumig ist, erweist sich auch an diesem Freitagnachmittag als sehr günstig. Die rund vierzig Architekturinteressierten brauchen Platz, vor allem, wenn sie neugierig um die kleinen Objekte herum hirschen, sie von allen Seiten umrunden, Türen öffnen und schließen. So viel Andrang ist hier selten, aber er ist von kultivierter Höflichkeit getragen. Und ein dringendes Bedürfnis der Parkbenutzenden geht dann doch noch vor das Architekturinteresse.
Isabella Marboe
Isabella Marboe lebt, arbeitet und zeichnet als freie Architekturjournalistin in Wien. Sie betreibt den Blog www.genau.im, schreibt unter anderen für das „Spectrum“ der Presse und „die Furche“ und lehrt am Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien.






