Rund um das Museum Nordwestbahnhof wird diesen Sommer zwischen alten Reifen und Bahnrelikten eingelocht.
Text und Video: Leila Renn
Es sei eher eine „ironische Aneignung unserer Vorstellung von Golfspielen“, sagt Michael Hieslmair. Denn auf dem Gelände entstehe in den nächsten Jahren ein riesengroßes Stadtentwicklungsgebiet, „und wie wir alle wissen, gehen dem sehr viele Verhandlungen voraus“. Solche Verhandlungen würden in der Welt der Immobilienentwickler doch auch beim Golfspielen stattfinden. Wobei „wir spielen hier nicht Golf-Golf, sondern eher Mini- oder Midi-Golf“, sagt Hieslmair: „Also eine demokratische Variante“.
„(W)Hole In One“
Hier – das ist das Gelände des ehemaligen Nordwestbahnhofs. In ein paar Jahren soll hier ein neuer Stadtteil für 16.000 Menschen gebaut werden. Ein Teil des Geländes ist bereits freigemacht (Zwischenbrücken berichtete), auf einem anderen Teil stehen noch alte Hallen, zum Beispiel die alte Busgarage samt einer Tankstelle der ÖBB. Auf diesem Gelände findet nun „(W)Hole In One – Urban Cross Golf“ statt.
Gespielt wird hier nicht auf perfekt gepflegtem Rasen, sondern auf dem, was da ist. Schotter, Beton, alte Fundstücke. Und genau diese Fundstücke sind entscheidend. Denn jede Station erzählt eine Geschichte. Vom Fluss, der hier einmal geflossen ist.
Von Sedimenten, die tausende Jahre alt sind. Wer also alle 10 Stationen quer über das Gelände rund um die alte Tankstelle spielt, kann viel über die Geschichte des Areals lernen.
Sammlung soll erhalten bleiben
„Die Stationen funktionieren so, dass es eigentlich eine große Gesamterzählung gibt.“, sagt Michael Zinganel, der gemeinsam mit dem anderen Michael (Hieslmair) das Museum Nordwestbahnhof gründete und auch das Urban Cross Golf erfand: „Man bekommt bei jeder Station einen kurzen Einstieg und kann sich dann weiter vertiefen. Es geht um die Geschichte des Ortes, aber auch um das, was hier entstehen könnte.“
Wichtig dabei sei vor allem, die Objekte des Museums ins Spiel zu bringen. Denn die Sammlung ist derzeit in einem Gebäude untergebracht, das abgerissen werden soll: „Wir wollen die Sammlung natürlich nicht verlieren, sondern wieder ins Stadtentwicklungsgebiet einbringen“, sagt Zinganel.
(W)Hole In One: Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 bis 20 Uhr, Alte Tankstelle, 1200, Nordwestbahnstraße 16.
https://tracingspaces.net/whole-in-one/von-loch-zu-loch/
Leila Renn
Leila Renn studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien. Danach arbeitete sie unter anderem als Kulturredakteurin und Podcastproduzentin für das Lokalradio der Uni Leipzig und war zuletzt als Videojournalistin bei „Puls4“ für das preisgekrönte Nachhaltigkeitsmagazin „Klimaheld:innen“ zuständig.






