Die Barmherzigen Brüder wollen das Haus abreißen und ihr Spital erweitern. Aber nicht alle Mieter haben es verlassen.
Text: Bernhard Odehnal

Vergangene Woche erklärten mehrere Wiener Medien das Ende eines jahrelangen Konflikts: Alle Mieter hätten das Wohnhaus und ehemalige Hotel in der Taborstraße 18 verlassen. Der Eigentümer, die Barmherzigen Brüder, könnten das Haus nun bis auf die denkmalgeschützte Fassade und das Stiegenhaus abreißen. Auf dem Grundstück soll das Spital des Ordens erweitert werden.
„Aktuell bestehen drei Mietverhältnisse“
„Hotel National leer…Alle Mieterinnen und Mieter sind ausgezogen“, das meldete ORF Wien und berief sich dabei auf Informationen der Barmherzigen Brüder. Auch “Zwischenbrücken” übernahm diese Meldung. Allerdings zeigen unsere Recherchen jetzt: Das Haus ist durchaus noch bewohnt. In dem riesigen Komplex an der Ecke Taborstraße und Schmelgasse sind noch drei Wohnungen belegt.
Auf Nachfrage bestätigt das auch die Pressestelle der Barmherzigen Brüder: „Aktuell bestehen noch drei Mietverhältnisse in der Taborstraße 18“, heißt es in einer Mail: Mit zwei der bestehenden Mieter haben man jedoch bereits eine Einigung erzielt können. Auf die Frage, warum dann von einem „leeren Haus“ berichtet wurde, antwortet der Pressesprecher, dass das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien keinen Einfluss auf die redaktionelle Darstellung habe. „Unsere Aufgabe beschränkt sich auf eine sachliche Darlegung zum jeweiligen Projektstand.“

Der Umbau soll 2028 beginnen und 2034 abgeschlossen werden. Die Kosten von geschätzten 230 Millionen Euro werden Großteils von der Gemeinde Wien getragen.
Zwischenbrücken konnte mit einem der Mieter sprechen, der noch im Haus wohnt. Er bestätigte, dass er bereits eine Ersatzwohnung gefunden habe. Ausziehen könne er aber erst nach deren Fertigstellung. Die anderen Mieter waren nicht zu sprechen.
Ehemaliger Mieter klagt über „unfaire Methoden“
Das „Hotel National“ war einst einer nobelsten Herbergen Wiens. Allerdings wurden die Zimmer bereits in der Zwischenkriegszeit zu Wohnungen umgebaut. 2009 kauften die Barmherzigen Brüder das Haus, um es abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Allerdings gab es Widerstand von Hausbewohnern. Mit einer Petition wurde zumindest erreicht, dass sich das Denkmalamt für das 1848 gebaute Haus interessierte und einen kleinen Teil unter Schutz stellte.
Einer der damaligen Mieter war Stefan Ohrhallinger. Er zog bereits 2019 aus dem Haus aus, verfolgt aber als Leopoldstädter und Bezirksrat der Partei „Links“ die Entwicklungen bis heute. Von einer „für alle Parteien zufriedenstellende Lösung“, wie ORF Wien die Barmherzigen Brüder zitiert, könne keine Rede sein, sagt Ohrhallinger. Er wirft den Barmherzigen Brüder „unfaire Methoden“ vor, „die leider legal sind“. Deshalb wundere es ihn nicht, „dass behauptet wird, das Haus sei bereits leer. Obwohl noch immer Mieter:innen drin wohnen“.
Die ganze Geschichte des Hotels National gibt es hier: https://www.zwischenbruecken.at/geschichte/das-grand-hotel-national-leopoldstadt/
Anm.: In einer früheren Version (vom 14. April) wurde behauptet, dass das Gebäude bereits leer sei. Das stellte sich als nicht korrekt heraus.
Bernhard Odehnal lernte Journalismus bei der Stadtzeitung „Falter“ und war danach als Korrespondent und Reporter für österreichische und Schweizer Medien tätig. 2025 kehrt er mit der Gründung von „Zwischenbrücken“ in den Lokaljournalismus zurück. Er lebt in der Leopoldstadt.






