Die ÖBB informierten in der Leopoldstadt über die einjährige Sperre der Stammstrecke und den Abbruch des Bahnviadukts.
Text: Bernhard Odehnal

„Eine Herausforderung“, nennt es Bezirksvorsteher Alexander Nikolai. „Sehr engagiert“, sagt auch Projektleiter Thomas Schöfmann. Er meint damit vor allem den Zeitplan: Ab Anfang Juli wollen die ÖBB in knapp eineinhalb Jahren die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling komplett erneuern.
Bus statt Bahn im Sommer
Montag und Dienstag dieser Woche lud die Infrastruktur-Gesellschaft der Bahn deshalb zu Informationsveranstaltungen in ihr Innovation-Zentrum in der Lasallestraße – mit Schwerpunkt auf den Bauarbeiten im 20. und 2. Bezirk. Die Brigittenau wird davon vor allem im Sommer 2026 betroffen sein, wenn im Juli und August zum dritten Mal die Strecke vom Praterstern bis Floridsdorf gesperrt wird. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen ist mittlerweile gut organisiert.
Im Herbst wird das Upgrade auf diesem Teil weitgehend abgeschlossen sein. Ab September sollen S-Bahn und REX vom Praterstern wieder Richtung Norden verkehren. Wichtigste Modernisierung: Die Züge fahren ab dann nur mehr mit dem elektronischen Zugsicherungssystem ETCS. Die Signale entlang der Strecke werden abgebaut. Weil die älteren S-Bahn-Züge dieses System nicht eingebaut haben, können sie auf der Stammstrecke ab dann nicht mehr eingesetzt werden.
Morsche Holzpfähle
Ab September 2026 beginnt die Großbaustelle in der Leopoldstadt. Das Viadukt zwischen Bahnhof Praterstern und Donaukanalbrücke wird komplett abgebrochen und durch eine Brückenkonstruktion ersetzt. Das alte Mauerwerk stehe auf Holzpfählen im Grundwasser, erklärt Projektleiter Schöfmann. Weil der Grundwasserspiegel sank, kam Luft zu den Pfählen und sie begannen zu morschen. Nun werden sie durch Beton ersetzt.
Die Seitenteile der neuen Brücke werden mit Bögen aus Beton verkleidet, die an das alte Viadukt erinnern sollen. Während im Inneren früher vor allem Autowerkstätten untergebracht sind, planen die ÖBB auf insgesamt 1.900 Quadratmeter nun einen bunten Geschäftsmix. Denkbar seien Fitness-Studios oder Fahrrad-Geschäfte, sagt der Projektleiter: „Aber keine Werkstätten mehr und keine Gastro“. Interessenten an den Räumen unter der Bahn können sich bei der Immobiliengesellschaft der ÖBB melden. Freilich werden die Bögen erst Mitte 2028 bezugsfertig.

Herausfordernd wird der Abbruch des Viadukts auch für den Öffentlichen Verkehr auf der Straße. Die Buslinie 80A kann in Richtung Neu Marx nicht mehr entlang der Baustelle fahren. Sie wird deshalb von November 2026 bis Juni 2027 auf 400 Meter über die Hauptallee umgeleitet. Eine „absolute Ausnahme“, sagt der Leopoldstädter Bezirksvorsteher Alexander Nikolai, „aber wir haben keine andere Lösung gefunden“. Der Bus sei vor allem für Schülerinnen und Schülern wichtig. An Wochenenden und Feiertagen bleibt der Prater allerdings wieder Fußgänger:innen und Radfahrer:innen vorbehalten. Dann wird der Bus über die Vivariumstraße kurzgeführt.
U 1 mit kürzeren Intervallen
Als Ersatz für die S-Bahn zum Hauptbahnhof werden die Wiener Linien die Intervalle auf der U 1 verkürzen und die Straßenbahnlinie O mit langen statt wie bis jetzt mit kurzen ULFs führen. Zudem wird ab Herbst die Linie 18 durch den grünen Prater bis zur U 2-Station Stadion verlängert. Eine Intervallverdichtung auf den Straßenbahnlinien ist allerdings nicht geplant.
Link: www.s-bahn.wien
Kontakt: upgrade@s-bahn.wien
Bernhard Odehnal lernte Journalismus bei der Stadtzeitung „Falter“ und war danach als Korrespondent und Reporter für österreichische und Schweizer Medien tätig. 2025 kehrt er mit der Gründung von „Zwischenbrücken“ in den Lokaljournalismus zurück. Er lebt in der Leopoldstadt.






