Verkehr, Sauberkeit und Gastronomie: Die NEOS Brigittenau luden zu einem Bürger:innenforum über die Zukunft des Hannovermarkts.
Text: Naz Küçüktekin

18 Uhr im Restaurant Kent in der Jägerstraße. Während im Erdgeschoss viele Gäste ihr Fasten mit türkischen Speisen brechen, diskutieren im Untergeschoss rund zwanzig Menschen über die Zukunft des Hannovermarkts.
Die Umfrage war erst der Beginn
Auf Bannern sind Pläne des Marktes zu sehen sowie Zahlen aus einer Umfrage, die die NEOS bereits im Sommer zum Hannovermarkt durchgeführt haben. Schon damals versuchten die NEOS Brigittenau, sich mit dem Thema zu positionieren. Ihre Sprecherin Selma Arapović ist zugleich Klubobfrau der Wiener Partei sowie Sprecherin für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Stadterneuerung und Wohnen – und damit auch für die Wiener Märkte zuständig.
„Die Umfrage war nur ein Anfang. Mit diesem Abend wollen wir die Ideen weiterentwickeln“, eröffnet Arapovic das Bürger:innenforum. Es ist das erste der NEOS im 20. Bezirk, wie sie betont.
„Gesetzesleerer Raum”
„Ich bin mit zwei konkreten Themen heute da“, kündigt ein Anrainer, der direkt am Hannovermakrt wohnt gleich zu Beginn an. Es sind Themen, die im Laufe des Abends noch öfter auftauchen werden.
Zum einen prangert er die Verkehrssituation an, vor allem in der Wohnstraße Othmargasse, die aus seiner Sicht nicht als solche genutzt werde: „Das ist vielmehr eine Durchzugsstraße“. Dem stimmen andere Anwesende zu. Auch die Parkplatzsituation sorgt für Diskussionen. Mehrere Teilnehmer:innen zeigen Unverständnis darüber, warum die Tiefgarage kaum genutzt werde, während rund um den Markt Autos die Plätze blockieren. Einige berichten von SUVs, die in angrenzenden Innenhöfen abgestellt werden.

Auch von einem „gesetzesleeren Raum“ ist die Rede. Besonders am Samstag sei das Problem sichtbar. Denn dann findet am Hannovermarkt auch ein Bauernmarkt statt – und zieht die meisten Besucher:innen an. „Unter der Woche funktioniert der Markt nicht so gut“, werfen die NEOS ein, die bereits im Sommer ihre Vision präsentiert hatten, inklusive neuer Cafés. So etwas gebe es am Markt tatsächlich nicht, sind sich viele Teilnehmer:innen einig. Damals äußerte etwa die KPÖ Sorge, dass der Hannovermarkt nach diesem Plan zu einem Bobo-Markt mit hohen Preisen werden könnte.
Mehr regionale und Bio-Produkte
Eine Grundsatzdebatte, die auch an diesem Abend beschäftigt: Welche Rolle soll der Hannovermarkt haben? Soll er zum Markt mit Gastronomie und schicken Cafés werden ? Oder ein Nahversorger für den Bezirk bleiben, wo man günstig einkaufen kann? Eine Teilnehmerin plädiert für mehr regionale und Bio-Produkte. „Dafür kriege ich am Markt das Bier noch für 3,50 Euro“, wirft ein anderer Teilnehmer ein.
Immer wieder kommt die Diskussion auch auf Sauberkeit und Hygiene zurück. Mehrfach werden die WC-Anlagen erwähnt – viele wünschen sich eine Sanierung. Der Idealfall der NEOS: Ein saniertes WC mit Personal. Auch der Müll wird zum Thema: Mülltrennung sei am Markt kaum sichtbar, merkt jemand an. Und mehr Bäume und Grün wünschen sich ebenfalls viele.
Gegen Ende des Abends sind die Papierbögen vollgeschrieben. Zwischen Stichworten zu Sauberkeit, neuen Marktständen und Verkehrsberuhigung stehen viele Fragezeichen. Die Ideen sollen nun ausgewertet und in der Bezirksvertretung eingebracht werden.
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Naz Küçüktekin hat journalistische Erfahrungen unter anderem bei Kurier, Profil und Biber gesammelt. Sie lebt in der Brigittenau hat mehrere Preise gewonnen, unter anderem den Wiener Journalismus-Gesundheitspreis.






